Kryptowährungen – Zukunftsvision oder schon über den Zenit?

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Medienberichte über Kryptowährungen beinhalten fast immer nur Bitcoin, was wohl unzweifelhaft an dessen großer Bekanntheit liegt. Trotzdem ist die Welt der Kryptowährungen deutlich größer und die dahinterstehende Technologie dürfte noch einmal deutlich umspannender werden. Doch ist das Ganze nur ein Hype oder stellen Kryptowährungen die technische Revolution dar, als die sie hin und wieder bezeichnet werden?

Blockchain als Hintergrundtechnologie erst am Anfang?

Auch wenn Kryptowährungen von Teilen der Gesellschaft kritisch betrachtet werden, sind Experten auf dem Gebiet viel mehr von der dahinterstehenden Technologie begeistert: Die Blockchain. In einem Interview auf dem Portal Zukunftsinstitut.de haben Experten der Kryptologen erklärt, dass die Blockchain mit großer Wahrscheinlichkeit erst am Anfang ihrer Möglichkeiten steht. Sollte die Blockchain erst etabliert sein, könnte sie für ähnliche große Disruptionen sorgen wie die Einführung von E-Commerce. Der Durchbruch erfolgt demnach in den 20 bis 30 Jahren und macht viele neue Geschäftsmodelle möglich, die zudem vieles vereinfachen.

Wo liegt der große Vorteil der Blockchain?

Die Blockchain ist im Grunde eine Datenbank mit einer permanenten Datenfortschreibung. Einmal eingefügte Daten können von niemandem nachträglich geändert werden. Diese Form der Transparenz ist ein Segen für sehr viele verschiedene Problemstellungen der Gegenwart. Dazu gehören beispielsweise:

  • Transparenz der Datenspeicherung: Jeder könnte erfahren, welche Daten über ihn wo gespeichert werden. Dementsprechend ließe sich auch besser kontrollieren, ob die Einhaltung der Privatsphäre eingehalten wird.
  • Urheberrecht: Wer die Rechte an einem bestimmten Kunstwerk in der Blockchain hinterlegt hat, bräuchte künftige Zweifel oder Nachahmer nicht mehr zu fürchten.
  • Kosten durch Mittelsmänner und Zentralinstanzen: Da sich die Rechtedurchsetzung für Künstler durch die Blockchain problemlos so lösen ließe, wären Instanzen die die GEMA überflüssig. Auch das Bezahlen könnte tokenbasiert erfolgen.

Letztlich basiert der Grundgedanken also darauf, dass Eigentumsverhältnisse sich sehr deutlich auch digital darstellen lassen. Ferner können viele Transaktionen einfach zwischen den Beteiligten abgewickelt werden, ohne dass dazu eine Zwischeninstanz nötig ist. Unabhängig von Kryptowährungen scheint die Blockchain also auf dem besten Weg zu sein, eine neue digitale Alltagstechnologie zu werden.

Wie steht es aktuell um Kryptowährungen?

Kryptowährungen werden in der Euro-Zone immer noch etwas vorsichtig beäugt. Trotzdem lässt sich feststellen, dass es stetig mehr Möglichkeiten gibt, diese Zahlungsmöglichkeit in Anspruch zu nehmen. So kann man heute beispielsweise oft mit Bitcoin im Casino zahlen oder beim Online-Shopping sein Wallet nutzen. Gerade in diesem Bereich hat sich einiges getan:

  • Immer mehr Online-Shops nehmen Bitcoin und Co. in ihr Portfolio der Zahlungswege auf.
  • Auch Dienstleister lassen sich zum Teil schon mit Kryptowährungen bezahlen.

Auch Banken steigen vermehrt in den Handel mit Kryptowährungen ein

Darüber scheint es mittlerweile auch bei den Banken angekommen zu sein, dass der Handel mit Kryptowährungen interessant sein könnte. Immerhin nutzen bereits 6 Finanzinstitute in Deutschland diese Möglichkeit und auch Goldman Sachs wollte noch 2018 mit dem Handel beginnen.

Welche Kryptowährungen haben mittlerweile eine größere Bedeutung erlangt?

Der Markt für Kryptowährungen wächst stetig und ständig schießen neue Coins aus dem Boden. Doch welche Währungen sind momentan am bedeutendsten? Hier hilft eine Betrachtung der Marktkapitalisierung:

Coin Marktkapitalisierung
Bitcoin 111,3 Mrd. US-Dollar
Ethereum 21,8 Mrd. US-Dollar
XRP 21,0 Mrd. US-Dollar
Bitcoin Cash 9,2 Mrd. US-Dollar
Stellar 5,1 Mrd.US-Dollar
EOS 4,9 Mrd. US-Dollar
Litecoin 3,0 Mrd. US-Dollar
Tether 2,5 Mrd.US-Dollar
Cardano 2,0 Mrd. US-Dollar
Monero 1,8 Mrd. US-Dollar

 

Diese Liste führt Bitcoin ganz klar an, doch zeigt sich, dass es auch andere Mitspieler gibt, die sich eine gewisse Bedeutung aufgebaut haben. Bitcoin hat zudem den Nachteil, dass es rein als Kryptowährung aufgebaut wurde, während andere Coins sich technologisch leicht unterscheiden. So Speichert Ethereum sogenannte Smart Contracts und kann damit mehr als nur reines virtuelles Geld sein: Es lassen sich automatisierte Zahlungen für bestimmte Dinge einrichten, die später bei Bedarf immer wieder ablaufen können.

Wo kommt die Skepsis gegenüber Kryptowährungen her?

Natürlich existiert nach wie vor eine breite Skepsis gegenüber Kryptowährungen. Doch woher stammen diese eigentlich? Es gibt verschiedene Einflussfaktoren:

  • Kriminelle nutzen Kryptowährungen: Leider nutzen auch Kriminelle wie Online-Betrüger Kryptowährungen, um sich so besser vor staatlichen Zugriffen zu schützen. Dies trifft auch auf Datenerpresser zu, die alle Daten auf einem Rechner verschlüsseln, um für die Entschlüsselung eine Bitcoin-Überweisung verlangen zu können. Dies wirkt sich negativ auf den Ruf einer eigentlich guten Idee aus.
  • Schwache Überwachung: Die zentrale Überwachungsinstanz (der Staat) ist bei Kryptowährungen bei weitem nicht so ausgeprägt wie bei herkömmlichen Währungen. Dies betrachten viele Menschen als Makel, weil Kryptowährungen damit einen unseriösen Anstrich erhalten. Dabei ist die fehlende Zentralinstanz einer der Vorteile, da sich die Währungen damit nicht so gut steuern lassen.
  • Starke Kursverluste von Bitcoin und Co.: Die bekannten Kryptowährungen erlebten bis Ende 2017 einen regelrechten Börsenhype, was die Kurse ins Unermessliche steigen ließ. Die darauffolgende Konsolidierung mit starken Kursverlusten wird häufig als Niedergang der Kryptowährungen interpretiert. Dabei scheint dies nicht der Fall zu sein.

Es existieren also durchaus Gründe dafür, warum ein nicht unerheblicher Teil der Bevölkerung den Kryptowährungen nach wie vor kritisch gegenübersteht. Ein lockerer rechtlicher Rahmen könnte hier für mehr Sicherheit sorgen, wobei die Gesetzgeber hier behutsam sein sollten.

pixabay.com | Werden Verträge und Transaktionen irgendwann Blockchain-basiert ablaufen?

Die Idee der Kryptowährungen ist noch lange nicht am Ende

Wer Kryptowährungen aufgrund der Kursverluste Ende 2017 bereits abschreiben möchte, könnte einen Fehler begehen. Die Idee der Blockchain hat das Potenzial, unsere digitale Gesellschaft von Grund auf zu ändern und eventuell wieder ein Stück demokratischer zu machen. Das hohe Maß an Transparenz sorgt dafür, dass sich Besitzverhältnisse leichter festschreiben und Rechte leichter durchsetzen lassen. Darüber hinaus könnte die Blockchain eine ganz neue und unkomplizierte Art von Transaktionen ohne Mittelsmänner ermöglichen.

Ob die Blockchain-Technologie in Gestalt der bisherigen Kryptowährungen oder in Form anderer Anwendungen bestehen bleibt, ist hingegen nicht klar. Das muss allein die Zeit zeigen.

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