Ergonomie im Büro: Tipps für eine bessere Schreibtischarbeit

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Knapp die Hälfte aller Arbeitnehmer in Deutschland arbeitet im Sitzen. Gleichzeitig lässt sich jede vierte Krankschreibung hierzulande auf eine Muskelerkrankung zurückführen. Selbst ohne Krankschreibung klagen aber viele Arbeitnehmer über Rücken-, Nacken- und Kopfschmerzen, die, wie wissenschaftlich erwiesen ist, zu einem Großteil durch das schädliche Arbeiten im Sitzen verursacht werden.

Dieser Artikel widmet sich dem Problem „Arbeiten im Sitzen“ und gibt Tipps für Bürotiere, wie sie zu einer langfristig gesünderen Haltung am Arbeitsplatz gelangen, um Schmerzen, krankheitsbedingte Ausfälle und Langzeitfolgen zu vermeiden.

Erste Stellschraube: Der Bürostuhl

Wer unvermeidlich viel im Sitzen arbeiten muss, sollte als erstes nach einen guten Bürostuhl Ausschau halten. Ein hochwertiger Bürostuhl kann dabei helfen, die typischen Symptome von intensiver Büroarbeit zu minimieren. Ausschlaggebend hierfür ist vor allem, dass die Lehne des Stuhls so gut wie möglich an den Rücken angepasst und zudem sehr beweglich ist. Das animiert den Sitzenden dazu, öfter mit dem Rücken zu wippen und damit die Rückenmuskulatur in Bewegung zu halten. Bei der Arbeit im Sitzen gilt: Am gefährlichsten ist der Stillstand. Je beweglicher der Bürostuhl ist, desto besser ist er auch für den Rücken.

Eine Studie der Deutschen Sporthochschule in Köln ergab, dass der durchschnittliche Büroarbeiter an einem Arbeitstag bis zu fünf Stunden im Sitzen verbringt. Das Sitzen ist für den menschlichen Körper keine natürlich Haltung. Es führt zu Versteifungen und Verkrampfungen. Oft zeigen sich die ersten Symptome einer ungesunden Sitzhaltung nicht direkt im Rücken- oder Lendenwirbelsäulenbereich. Viele Menschen bekommen nach einem langen Arbeitstag im Sitzen eher Kopf- oder Nackenschmerzen, und denken zunächst nicht daran, dass eine ungesunde Sitzhaltung der Übeltäter sein könnte. Neben dem Bürostuhl gibt es aber noch einige andere Möglichkeiten, zu einer langfristig gesünderen Büroarbeit zu gelangen.

Tipp: Mehr im Stehen arbeiten

Viele Orthopäden empfehlen, die durchschnittliche Zeit von fünf Stunden im Sitzen dadurch zu reduzieren, indem ein Teil der Arbeit schlicht im Stehen erbracht wird. Das ist natürlich einfacher gesagt als getan, denn wer einen echten Bürojob hat, kann sich nicht einfach nach Belieben von seinem Bildschirm lösen. Daher haben aktuell spezielle Stehtische Konjunktur. Diese lassen sich mit einer einfachen Mechanik (Kurbel) oder einer Automatik erhöhen und ermöglichen somit ein recht komfortables Arbeiten im Stehen.

Zwar ist auch langes (statisches) Stehen nicht wirklich gut für den Rücken, ein regelmäßiger Wechsel zwischen Stehen und Sitzen kann aber sinnvoll sein. Das Arbeiten im Stehen fördert außerdem die Durchblutung und hilft damit, die Konzentration zu stärken und Müdigkeit entgegenzuwirken.

Mehr Bewegung zwischendurch

Mit die einfachste Methode, Rückenschmerzen durch vermehrte Sitzarbeit zu vermeiden, ist eine bewusste Integration gelegentlicher Bewegungspausen in den Arbeitsalltag. Viele Menschen erledigen aus Zeit- und Komfortgründen die meiste Kommunikation direkt von ihrem Schreibtisch aus. Oftmals versenden sie sogar Mails, deren Empfänger nur wenige Büros weiter sitzt. Das fördert ein langes Sitzen vor dem Bildschirm und ist nur scheinbar produktiver. Wer sich öfter dazu durchringen kann, einen Gang in die Kantine oder zum Kollegen in seinen Arbeitsalltag zu integrieren, wird langfristig weniger schnell mit den typischen Krankheitssymptomen von Büroarbeit zu kämpfen haben.

Sebnem Ragiboglu/123RF.COM

Wer sich so gar nicht dazu motivieren kann, Bewegungspausen einzubauen, dem hilft vielleicht eine Stoppuhr. Es gibt hierbei keinen Richtwert, wie lange Sitzen am Stück noch „gesund“ ist. Man kann es aber einfach mal mit einem Experiment anfangen und schauen, was einem gut tut. Tipp: Eine kleine Küchenuhr, auf eine Stunde oder neunzig Minuten gestellt, gibt immer einen kleinen Alarm von sich, wenn man wieder einige Zeit am Stück im Sitzen verbracht hat. Dann ist es Zeit für einen kleinen Spaziergang.

Den kann man auch durchaus produktiv gestalten. Ein Gang zur Poststelle? Ein kurzer Hinweis für den Kollegen, den man ausnahmsweise Mal nicht in einer Mail oder einem Anruf formulieren will? Mehr Bewegung am Arbeitsplatz ist nicht nur gut für den Kopf und den Rücken, sondern kann so auch die Kommunikation im Unternehmen verbessern.

Für Mutige: Der Sitzball

Natürlich gibt es auch eine Reihe von Alternativen zu klassischen Bürostühlen, die sich aber vielleicht nicht in jedem Büro umsetzen lassen. Wer aber beispielsweise von zu Hause aus arbeitet oder ein eigenes Büro hat, könnte probieren, auf einen Sitzball auszuweichen. Das benötigt ein wenig Gewöhnung, schließlich muss man während des Sitzens die ganze Zeit die Balance halten. Aber es trainiert auch die Rückenmuskulatur und sorgt fast automatisch für eine konstante, leichte Bewegung am Arbeitsplatz. Etwas besseres kann man seinem Rücken beim Sitzen kaum tun.

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